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Positionen und Stellungnahmen

Integration ausländischer Betreuungskräfte

Positionen und Stellungnahmen
Integration ausländischer Betreuungskräfte
November 2025 | Positionspapier

Integration ausländischer Betreuungskräfte in europäische und nationale Strategien der Pflegeversorgung

Eurocarers und wir pflegen e.V. warnen davor, dass der wachsende Pflegenotstand in Europa immer häufiger auf dem Rücken von Familien und ausländischen Betreuungskräften bewältigt wird. Weil zugängliche, bezahlbare und bedarfsgerechte Pflegeangebote vielerorts fehlen, sehen sich pflegende Angehörige oft gezwungen, ausländische Betreuungskräfte – vielfach in Live-In-Arrangements – zu beschäftigen, um Versorgungslücken überhaupt schließen zu können. Das Positionspapier macht deutlich: Diese Praxis ist längst ein tragender Bestandteil der Pflegeversorgung, politisch aber weiterhin unzureichend geregelt, unterstützt und anerkannt.

Kritisiert wird, dass damit ein System stabilisiert wird, das auf mehrfacher Unsichtbarkeit beruht: auf der Überlastung pflegender Angehöriger, auf prekären Arbeitsbedingungen migrantischer Betreuungskräfte und auf einer Pflegepolitik, die strukturelle Defizite in die Privathaushalte verlagert. Familien tragen finanzielle, organisatorische und moralische Lasten, übernehmen faktisch Arbeitgeberverantwortung unter Rechtsunsicherheit und sind zugleich auf Arrangements angewiesen, die häufig weder verlässlich noch fair ausgestaltet sind. Aus Sicht der Herausgeber ist das kein Randphänomen, sondern ein politisches Warnsignal für grundlegende Mängel der Langzeitpflege in Europa.

Das Positionspapier fordert deshalb einen klaren politischen Kurswechsel: mehr öffentliche Investitionen in kommunale Pflegeversorgung, bessere Unterstützung für pflegende Angehörige, Rechtssicherheit und soziale Absicherung für ausländische Betreuungskräfte, verbindliche Qualitätsstandards, Schulung und Integration in lokale Pflegenetzwerke sowie die Entwicklung partnerschaftlicher kommunaler Betreuungsmodelle. Die zentrale Botschaft lautet: Pflege darf nicht länger als private Notlösung organisiert werden. Wer Versorgung sichern will, muss migrantische Betreuungskräfte sichtbar machen, pflegende Angehörige entlasten und Pflege endlich als gesellschaftliche Verantwortung politisch gestalten.