wir pflegen NRW fordert Kommunen zum Kurswechsel auf
Kommunen können sich nicht länger darauf verlassen, dass Familien die strukturellen Defizite vor Ort stillschweigend ausgleichen. Pflege ist eine politische Führungsaufgabe. Wer jetzt nicht handelt, verschärft Versorgungsprobleme, soziale Ungleichheit und kommunale Folgekosten gleichermaßen.
Mit Blick auf die Kommunalwahl 2025 erhebt wir pflegen NRW e.V. deutliche Kritik an der kommunalen Pflegepolitik in Nordrhein-Westfalen. Das Positionspapier macht klar: Während die Politik seit Jahren über Daseinsvorsorge spricht, wird die Pflege in der Realität zu einem immer größeren Teil auf Familien abgewälzt. Fast 88 Prozent der Pflegebedürftigen in NRW werden zu Hause versorgt, vielfach ohne ausreichende Unterstützung durch ambulante Dienste. Damit stützt sich das System nicht auf verlässliche Strukturen, sondern auf die Belastungsgrenzen pflegender Angehöriger.
Zugleich kritisiert wir pflegen NRW, dass kommunale Pflegeplanung häufig nur einen Teil der Realität abbildet. Wer vor allem stationäre Plätze, Pflegedienste und Kennziffern betrachtet, übersieht den größten Versorgungsbereich: die häusliche Pflege durch Angehörige. Genau dort entstehen jedoch Überlastung, gesundheitliche Folgekosten, Einkommensverluste und wachsende soziale Risiken. Das Positionspapier fordert deshalb eine weiterentwickelte kommunale Pflegeplanung, die informelle Pflege realistisch erfasst, pflegende Angehörige systematisch einbezieht und daraus konkrete Maßnahmen ableitet.
Gefordert werden unter anderem niedrigschwellige und zugehende Beratung, verlässliches Case- und Care-Management, mehr Tagespflege- und Entlastungsangebote, eine bessere Vernetzung aller lokalen Akteur:innen, gezielte Unterstützung für pflegende Eltern sowie unbürokratischere Hilfen im kommunalen Alltag.