Gesellschaft stärken. Pflege. Neu. Denken.
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- Unter-Titel: Mehr Mut zu neuen, kommunal verankerten Unterstützungsformen
- Datum der Veranstaltung: 15.09.2023
- Ort: Bonn
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Vor dem Hintergrund des Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetzes (PUEG), das viele der rund zehn Millionen häuslich Pflegenden enttäuscht zurückgelassen hat, suchten Fachleute, Politik und Betroffene gemeinsam nach mittel- bis langfristigen Lösungen: bessere Finanzierung, mehr kommunale Unterstützungsangebote, flexiblere zivilgesellschaftliche Strukturen – und echte Mitsprache pflegender Angehöriger in der Pflegeplanung.
Nach der Begrüßung durch Sebastian Fischer (Vorstand wir pflegen) machte
Maria Becker (Leiterin der Abteilung "Pflegestärkung" im Bundesministerium für Gesundheit) deutlich, dass der Handlungsbedarf über das PUEG hinaus anerkannt sei.
Prof. Dr. Notburga Ott (Vorständin wir pflegen NRW) ordnete im Anschluss die Perspektive der Angehörigen ein und kritisierte die weiterhin unzureichende Unterstützung im Alltag.
Maria Klein-Schmeink (Mitglied des Bundestags) kündigte an, die Pflege politisch deutlich höher zu priorisieren – vergleichbar mit anderen Großthemen.
Thorsten Klute (Mitglied des Landtags in NRW, SPD) verwies auf konkrete Praxisimpulse wie das rheinland-pfälzische Programm "Gemeindeschwesterplus", das er als Vorbild auch für NRW sieht.
Am Nachmittag vertiefte ein Podium mit Barbara Kahler (Vorstandsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen, BAGSO), Angelika Hörter (Alzheimer Gesellschaft NRW), Isa Nowak (Arbeitskreis pflegender Eltern, wir pflegen) und Edeltraut Hütte-Schmitz (Vorständin wir pflegen) die kommunale und zivilgesellschaftliche Perspektive. Hütte-Schmitz betonte, wie oft Leistungsansprüche ins Leere laufen, weil es vor Ort schlicht keine Angebote gibt – bezeichnend sei das Missverhältnis zwischen 4,17 Mio. Menschen, die zu Hause gepflegt werden, und nur gut 96.000 Tagespflegeplätzen. Kahler stellte das BAGSO-Positionspapier "Sorge und Pflege – Neue Strukturen in kommunaler Verantwortung" vor: Kommunen müssten bedarfsgerechte Angebote sichern und Akteur:innen vernetzen. Nowak lenkte den Blick auf Familien, die Kinder mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen pflegen – ihre Bedarfe müssten in Politik und Planung systematisch mitgedacht werden. Hörter warb für quartiersnahe Pflege-Kompetenzzentren mit Beratung, Begegnung und Entlastung bei Tag und Nacht – Orte, an denen Angehörige niedrigschwellig Hilfe und Finanzierungshinweise bekommen.
Moderiert wurde der Tag von Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, Vorsitzende des Unabhängigen Beirats für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf und Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft an der Charité Berlin. Der rote Faden: Vereinbarkeit, verlässliche Strukturen in den Kommunen und die konsequente Einbindung der pflegenden Angehörigen in Entscheidungen. Unter dem Leitmotiv "Gesellschaft stärken. Pflege. Neu. Denken." warb wir pflegen für mehr Mut zu neuen, kommunal verankerten Unterstützungsformen und für Rahmenbedingungen, die zivilgesellschaftliches Engagement nicht nur ermöglichen, sondern aktiv fördern.
Fazit: Die häusliche Pflege bleibt das Rückgrat der Versorgung – und sie braucht spürbare Entlastung. Gefordert sind eine tragfähige Finanzierung der Leistungen, ein erweiterter rechtlicher Rahmen für kommunale Angebote, flexible, lokal verankerte Unterstützung durch Zivilgesellschaft und Selbsthilfe sowie echte Beteiligung der Angehörigen auf allen Ebenen. Die Diskussionen in Bonn haben dafür klare Orientierungspunkte gesetzt – nun kommt es auf die Umsetzung an.


