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Tag der pflegenden Angehörigen am 8. September

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Tag der pflegenden Angehörigen am 8. September
7. September 2026

Pflegekassen dürfen nicht auf Kosten der Familien saniert werden

Zum Tag der pflegenden Angehörigen warnt wir pflegen e.V., Selbsthilfeorganisation und Interessenvertretung pflegender Angehöriger, davor, die finanzielle Krise der Pflegeversicherung auf dem Rücken der Menschen auszutragen, die tagtäglich pflegebedürftige Menschen zu Hause versorgen.

"Die Pflegekassen dürfen nicht auf Kosten pflegender Angehöriger saniert werden. Die finanzielle Schieflage der Pflegeversicherung ist ein strukturelles Problem und kann nicht dadurch gelöst werden, dass Familien noch mehr Kosten übernehmen oder Angehörige noch mehr unbezahlte Pflege leisten", erklärt Ursula Helms, Vorstandsmitglied von wir pflegen e.V.

Die Pflegeversicherung steht unter massivem finanziellem Druck. Der GKV-Spitzenverband fordert von der Politik schnelle Entscheidungen. Mit dem Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) liegt ein Reformansatz vor, der die Pflegeversicherung finanziell stabilisieren soll. Aus Sicht des Bundesverbands pflegender Angehöriger verschiebt der Gesetzesentwurf Kosten aber vor allem auf die Familien.

Der Pflegereformentwurf bündelt bisherige Einzelleistungen in vier Budgets und hebt die Leistungsbeträge an. Das klingt zunächst nach Vereinfachung und mehr Leistung. Tatsächlich werden unterschiedliche Leistungen aus denselben Budgets finanziert und damit gegeneinander aufgerechnet. Besonders deutlich wird dies beim Entlastungsbudget: Es ersetzt das Pflegegeld und wird leicht erhöht. Aus dem Budget müssen Familien künftig aber auch Pflegehilfsmittel und privat organisierte Ersatzpflege finanzieren. Bei Pflegegrad 2 und 3 kann die nominelle Erhöhung dadurch aufgezehrt werden oder sogar zu einem Minus führen.

Für Familien bedeutet das weniger Spielraum bei der Organisation des Pflegealltags. Professionelle Ersatzpflege kann zwar künftig aus dem Sachleistungsbudget finanziert werden, doch ein kurzfristig verfügbarer Pflegedienst ist schwer zu finden und kann die vertraute Unterstützung durch Angehörige, Freunde oder Nachbarn nicht ohne Weiteres ersetzen.

Zugleich bleibt das Grundproblem bestehen: Die Pflegeversicherung übernimmt nur einen begrenzten Teil der Pflegekosten. Steigende Kosten treffen pflegebedürftige Menschen und ihre Familien über höhere Eigenanteile im Heim, Zuzahlungen und mehr unbezahlte Pflege durch Angehörige in der Häuslichkeit.

An einem strukturellen Umbau führt daher  kein Weg vorbei. Notwendig ist zumindest ein fairer Sockel-Spitze-Tausch: Die Pflegeversicherung muss die steigende Spitze der Pflegekosten übernehmen, während Pflegebedürftige im Pflegeheim sowie in der häuslichen Pflege einen planbaren und gedeckelten Sockel selbst tragen.

"Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Eine gute pflegerische Versorgung darf nicht davon abhängen, wie viel Geld eine Familie hat oder wie viele unbezahlte Stunden Angehörige leisten können. Deshalb brauchen wir langfristig eine solidarische, gesamtgesellschaftlich organisierte Pflegevollversicherung, die die häusliche Pflege und die Leistung pflegender Angehöriger einbezieht und absichert", fordert Helms.

wir pflegen e.V. fordert die Bundesregierung und den Deutschen Bundestag auf, die Pflegereform grundlegend nachzubessern: Die Pflegekassen brauchen eine nachhaltige Finanzierung, aber nicht auf Kosten der Menschen, die das Pflegesystem bereits heute mit ihrer unbezahlten Arbeit tragen.

Pflege ist keine Aufgabe, die man allein tragen sollte

Der Tag der pflegenden Angehörigen am 8. September richtet den Blick auf die vielen Menschen, die Familienmitglieder, Freund*innen, Nachbar*innen oder andere ihnen nahestehende Menschen im Alltag unterstützen, begleiten und pflegen. Darauf weist das Netzwerk Stark für Pflegende An- und Zugehörige in NRW hin. In einer gemeinsamen Erklärung machen 13 in NRW aktive Organisationen – darunter wir pflegen NRW – darauf aufmerksam.

Pflegende An- und Zugehörige übernehmen ganz unterschiedliche Aufgaben. Diese Unterstützung ist für viele Menschen die Voraussetzung dafür, möglichst lange selbstbestimmt leben zu können. Gleichzeitig kann die Übernahme von Pflegeverantwortung den eigenen Alltag stark verändern. Beruf, Familie, Freizeit und die eigenen Bedürfnisse müssen neu organisiert werden. Nicht selten entwickelt sich eine Pflegesituation schrittweise – und aus gelegentlicher Unterstützung wird mit der Zeit eine umfassende Verantwortung.

Pflegende An- und Zugehörige brauchen verlässliche Informationen, gute Beratung und erreichbare Unterstützungs- und Entlastungsangebote. Entscheidend dabei ist, dass die unterschiedlichen Angebote gut bekannt sind.

Und sie sollten wissen: Unterstützung anzunehmen ist kein Zeichen dafür, eine Pflegeaufgabe nicht zu bewältigen. Im Gegenteil – tragfähige Unterstützungsnetzwerke können dazu beitragen, Pflege langfristig gut zu gestalten.

Diese weiterzuentwickeln und Akteure zusammenzubringen, die gemeinsam überlegen, wie Strukturen langfristig aufgestellt sein sollen, ist ein Ziel des Netzwerks Stark für Pflegende An- und Zugehörige in NRW.

Das Netzwerk besteht aus Akteuren mit landesweiter Perspektive. Es ist kein weiteres Beratungs- oder Unterstützungsangebot. Vielmehr wollen wir die unterschiedlichen Akteure miteinander ins Gespräch bringen und dazu beitragen, dass vorhandene Informationen, Angebote und Kompetenzen besser wahrgenommen und genutzt werden können.

Gerade mit Blick auf die anstehenden Reformprozesse ist es uns wichtig, im Austausch zu bleiben und zu informieren. Bereits Ende Juni haben wir daher eine erste digitale Netzwerkveranstaltung angeboten und dort gesehen, wie viele Menschen sich in NRW damit auseinandersetzen, Strukturen zu entwickeln und Angebote für Pflegende An- und Zugehörige zu schaffen. Die nächste Veranstaltung des Netzwerks wird bereits geplant.